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von Werner Musterer | Reportage

Mobil ohne eigenen Pkw? In Hannover ein praktisches Modell.

Irgendwann war das Maß voll: Volker W. hatte genug. Seit mehr als 25 Minuten suchte er nun schon mit wachsender Verzweiflung nach einem Parkplatz. Davor bereits der immer gleiche Stau, und fast wäre ihm noch der Lieferwagenfahrer mit dem Handy am Ohr ins Heck gekracht. Ein Freund hatte ihm kürzlich auf einer Party erzählt, dass er seinen Privatwagen ganz abgeschafft habe. In Erwartung des unvermeidbaren nächsten Falschparker-Knöllchens beschloss Volker nun, es ihm gleich zu tun.

Heute, zwei Jahre später, zeigt er sich rundum zufrieden mit der Entscheidung und erklärt uns sein persönliches Mobilitätskonzept. Nach dem Verkauf des Autos schaffte er sich zunächst ein Pedelec an. »Ich war schon immer gern und viel mit dem Fahrrad unterwegs,« so Volker im Interview. »Aber mit dem E-Bike macht es jetzt noch mehr Spaß und auch Strecken wie von meinem Wohnort Döhren zu meiner Freundin nach Misburg sind kein Problem mehr.« Eine spezielle Navigations-App auf dem Smartphone, das mit einer wetterfesten Halterung am Lenker befestigt ist, zeigt ihm sogar die »Schleichwege« durch die Eilenriede und führt ihn von Haustür zu Haustür. Für die regelmäßigen Einkäufe benutzt er einen praktischen Anhänger, der gleichzeitig als Einkaufstrolley dient. Wenn es mal etwas größer sein soll, nimmt er einen der zurzeit noch kostenlosen Lastenrad-Verleihservices in Anspruch.

Was ist bei Regen? »Dafür gibt es wetterfeste Kleidung, die ist heutzutage sehr funktional«, entgegnet Volker. »Oder ich nutze ein Carsharing-Angebot, genau wie für die Fahrt zu meinen Eltern, die in einem kleinen Dorf bei Alfeld wohnen.« Die Tarife bei Stadtmobil & Co. berücksichtigen die unterschiedlichen Fahrleistungen (s. Kasten). Wenignutzer wie Volker zahlen keine Monatsgebühr. Das ist allemal günstiger als die laufenden Kosten für ein eigenes Auto. So ist selbst eine Taxifahrt hin und wieder drin.

Als Alternative zum Rad bewegt sich Volker mit Bus und Bahn quer durch die Stadt. »Das Netz in Hannover ist ja gut ausgebaut, ich spare mir Parkplatzsuche und -gebühren. Mein Arbeitgeber bietet auch ein Jobticket an, das einige Kollegen abonniert haben und so ihr Auto stehen lassen oder es wie ich ganz abgeschafft haben.«

 

Flexibel und schnell durch die Stadt

radius30

Der Beitrag erschien in Ausgabe 3-18 des Regionsjournals »radius30«.

Der häufigste Einwand gegen den Verzicht auf ein eigenes Auto ist die fehlende Flexibilität. Doch Volker widerspricht: »Wenn ich mich spontan verabrede und es mit dem Rad nicht passt, bin ich trotzdem meistens schneller am Treffpunkt als die Leute mit eigenem Auto. Mit Angeboten wie dem ›Stadtflitzer‹ kann ich einen Mietwagen spontan buchen und einfach am Zielort abstellen – wenn ich nicht lieber in die Bahn steige. Per Smartphone-App habe ich immer im Blick, welches Verkehrsmittel mich schnell von A nach B bringt.«

Und sparen lässt sich dabei auch: Carsharing-Betreiber geben als Richtwert 12 000 bis 15 000 Kilometer Jahresfahrleistung als Richtwert an, darunter bleibt es deutlich günstiger als ein eigenes Auto. Obendrein leistet man noch einen Beitrag zum Umweltschutz. Volker jedenfalls wirkt zufrieden: »Ehrlich – ich vermisse nichts.«

 

 


 

Teilen ist das neue Haben – Die Welt der Sharing Economy
im mobilen Hannover

Bike-Sharing

Trotz hoher Verbreitung privater Fahrräder erfreut sich das Bike-Sharing stark wachsender Beliebtheit. Insbesondere Lastenräder sind gefragt:

•   Die Zweiradtransporter für den Großeinkauf bieten Hannah! und Pedsblitz, sogar als E-Bike (zurzeit noch) kostenfrei

•   Call-A-Bike und Obike bieten Leihfahrräder zum spontanen Gebrauch, stationsgebunden bei Call-a-Bike, voll flexibel bei O-Bike. Nach einmaliger Registrierung erfolgt die Freischaltung via App.

 

Car-Sharing

Hier ist zu unterscheiden zwischen Organisationen mit eigenem Fuhrpark gegenüber Plattformen, bei denen Privatpersonen ihr Fahrzeug zur Ausleihe anbieten.

•   Organisationen: Stadtmobil, Greenwheels und Flinkster; stationsgebundenes Car-Sharing (Rückgabe des Fahrzeuges am Abholort), Ausnahme: »Stadtmobil Stadtflitzer« können in definierten Stadtbereichen frei abgestellt werden; unterschiedliche Tarifmodelle mit oder ohne Monatsgebühr, entsprechend variierende Verbrauchskosten wählen; breite Palette an Modellen vom Zweisitzer bis zum Transporter unterschiedlichster Fabrikate (Greenwheels nur Volkswagen).

•   Privat an Privat: Drivy und Snappcar; Autobesitzer und -nutzer registrieren sich und nehmen über die Plattform Kontakt auf; Fahrtkosten nach Fahrzeugmodell, Dauer und Verbrauch; Vollkaskoversicherung inklusive; Mieter zahlt an die Plattform, Autobesitzer erhält zwischen 70 und 85 Prozent des Mietpreises.

 

#Mobilität #Lastenrad #Verkehrskonzept #Hannover

Fotocredit: Hannahrad (Titel); Werner Musterer (3)

 

 

 

Reine Gewöhnungssache last modified: 2018-03-16T13:46:42+00:00 by Werner Musterer