FINIS

Künstler beim Abbau
ihrer Ausstellungen
Alles toll bei der Eröffnung: Gläschen Sekt, man wird gefeiert. Aber wie sieht’s am Ende aus? War die Ausstellung erfolgreich, kamen auch später noch Besucher, konnten Werke verkauft werden? Über zwei Jahre hat der Fotograf Werner Musterer Künstler beim Abbau ihrer Ausstellungen begleitet:

Ann Bauer,

Petra Kaltenmorgen,

Zoë MacTaggart,

Jörg Möller,

Micha Neugebauer,

Janko Woltersmann.

 

Seine Eindrücke zeigt Werner Musterer jetzt erstmalig als C-Prints auf sechs großformatigen Tableaus.

4.–28. September, Galerie der Boesner GmbH, Bornumer Str. 146, 30453 Hannover

Vernissage 8.9., 11 Uhr (Katalog vor Ort verfügbar)

 

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Laudatio von Lothar Pollähne zur Wernissage

 

Vernissagen sind so etwas wie die »Amuses Gueules« des Ausstellungsbetriebs. Sie sollen Appetit machen. Dass dabei auch Häppchen gereicht werden, gehört zum Prozedere. Auch Finissagen sind seit geraumer Zeit Konstanten des Ausstellungsbetriebs. Häppchen werden dort ebenfalls gereicht, um auf den letzten Drücker noch einmal Appetit zu machen. All das ist normal. Sie kennen das.

Heute allerdings erleben Sie etwas, das normal zu sein scheint, aber nicht normal ist: die Verbildlichung der Frage »Was kommt, wenn das letzte Häppchen gegessen und das letzte Gläschen geschlürft ist?« Philosophisch gesprochen: »Gibt es ein Leben nach dem Leben?« Oder mit Wolf Biermann etwas profaner ausgedrückt: »Es muss doch noch irgendwas geben. Eben!«

Laudatio Pollähne

Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne hält die Laudatio. (Foto: Greta Musterer)

Dieses »Irgendwas« können Sie heute hier betrachten, denn Werner Musterer hat nicht nur – wie schon viele vor ihm – die Frage nach dem »Danach«, sondern auch sich selbst der Aufgabe gestellt, ebendiese Frage bildlich zu beantworten. Also: Kunstschaffende schaffen Kunst. Wenn möglich – wie heute hier – stellen sie ihre Werke aus, beginnend mit einer Vernissage. Und wenn sie Glück haben, können sie das eine oder andere Kunstwerk verkaufen. Das ist schön, denn vom Ausstellen allein wird niemand satt. In jedem Fall aber kommt nach dem Aufbau, der Vernissage und der Finissage der Abbau der Kunstwerke. Wer nicht Richter oder Baselitz heißt, kann dabei nicht nach der Devise der »Doors« gehen, die da lautet: »When the Music’s over, turn out the Lights.« Die konnten nämlich abräumen lassen und sich derweil zu Getränken und Joints zurückziehen.

Die von Werner Musterer vorgestellten und ins Bild gesetzten Kunstschaffenden konnten und können das nicht. Sie müssen selber Hand anlegen, ihre Bilder abhängen, ihre Objekte behutsam einpacken und die Ausstellungsräume für die nächste Präsentation entleeren. Das ist gewöhnlich, wie bei vielen Künsten, eine monomanische Tätigkeit, die nicht im Rampenlicht stattfindet.

Ermutigt von Micha Neugebauer, der vor gut zwei Jahren in diesen Räumen ausgestellt hat, hat Werner Musterer sechs Künstlerinnen und Künstler an ganz unterschiedlichen Orten bei dieser monomanischen Tätigkeit des Abräumens mit der Kamera begleiten dürfen: Micha Neugebauer bei Boesner, Janko Woltersmann in der leider nicht mehr bestehenden »NordLB Art Gallery«, Jörg Möller im »Kubus«, Zoë MacTaggart im »Stammelbachspeicher« in Hildesheim, Ann Bauer in der »Scope Galerie« und Petra Kaltenmorgen im »Sprengel-Museum«. Alle waren sehr aufgeschlossen, die meisten entspannt, einige redselig und andere eher wortkarg.

Tableaus

Großformatige Tableaus statt üblicher Einzelfotos. (Foto: Greta Musterer)

Werner Musterer ist das Kunststück gelungen, die Balance zwischen Nähe und Distanz herzustellen. Nach dem Prinzip der »teilnehmenden Beobachtung« ist er einfach dabei gewesen und hat den Abbau bis zur Schließung des letzten Transportbehälters dokumentiert. Es ist tatsächlich eine fotografische Verlaufsdokumentation geworden, denn bis auf ein einziges sind keine Fotos gestellt und keine Abläufe wiederholt worden, der vermeintlich besseren Qualität wegen. Das ist Dokumentaristik im besten Sinne, denn im Mittelpunkt steht der Ablauf und erst in zweiter Linie die Künstlerin oder der Künstler, auf keinen Fall aber der Dokumentarist. Dessen Arbeitsergebnisse können Sie heute hier in Augenschein nehmen. Sie sind Ausweis des künstlerischen Schaffens von Werner Musterer, der bewusst auf die Reihung von Einzelfotos verzichtet und stattdessen jeder Künstlerin und jedem Künstler ein großformatiges Tableau widmet. Das verleitet zu detektivischer Besichtigungsarbeit und ermöglicht auf einem Objekt das Herstellen von Bezügen. Das Abräumen wird so zu einem komplexen Ganzen.

Werner Musterer hat nun heute seine »Wernissage«, in vier Wochen seine Finissage und was danach kommt, müssen Sie ihn schon selber fragen. Der Künstler ist anwesend.

Weitere Eindrücke von der Wernissage

(Fotos: Micha Neugebauer und Greta Musterer)