In Zeiten rein analoger Fototechnik war es verbreitet, auf der Basis von Diapositiven Audiovisionsshows mit mehreren Diaprojektoren und begleitender Musik, Kommentar und weiteren Toneffekten zu erstellen. Zwei solcher Shows habe ich 1986 gestaltet: die erste anlässlich einer Reise in den Norden der damaligen DDR, die zweite als Dokumentation eines Renntages auf der Galopprennbahn Köln-Weidenpesch. Aus den Originalmaterialien habe ich jetzt – 40 Jahre später – Videos erstellt, die in etwa den Eindruck dieser Überblendshows wiedergeben.
»Deutschland – II. Teil«
Eine Reise in die DDR 1986
Der Film ist die digitalisierte Fassung einer analogen Audiovision, die ich 1986 nach einer Jugendgruppen-Reise in die DDR zusammen mit meinem Freund Martin Buchholz erstellt habe. Wir besuchten Stralsund, Rostock und die Insel Rügen. Die AV-Show erzählt nicht vorrangig eine (Reise-)Geschichte, sondern ist eher impressionistisch angelegt. Aber die wechselnden Eindrücke bilden dann doch die ständige kognitive Dissonanz ab, der wir uns während dieser einen Woche ausgesetzt sahen. Besonders beispielhaft sind hier die Aufnahmen aus der zum Meeresmuseum umgewidmeten Stralsunder Katharinenkirche.
Die ursprüngliche Präsentation ist komplett analog entstanden: Fotos aufgenommen mit Olympus OM-Spiegelreflexkameras auf Kodak ED200 (5076) Farbdiafilm, alle einzeln in Glasdiarahmen montiert. Für die Überblendprojektion kamen zwei Kodak Carousel 2000 S-AV Projektoren zum Einsatz, betrieben von einem Electrosonic ES62 Steuergerät. Die Tonmischung fand auf einem Tascam 4-Spur-Cassettendeck statt, die Musikzuspielung erfolgte von Vinyl-LP. Da die Tascam die Tonspuren nicht sauber trennte, ist in leisen Musikpassagen manchmal der Steuerton mitzuhören. Eine digitale Nachbearbeitung mit Adobe Audition konnte dies nicht komplett beseitigen.
Die Dias wurden mit einer aktuellen spiegellosen Canon R6 mit 20 MP digitalisiert. Bei der Bildbearbeitung stand eine möglichst originalgetreue Wiedergabe im Vordergrund. Nur starke Unterbelichtung und Farbstiche durch das Alter des Materials wurden etwas ausgeglichen, sowie Kratzer und Flecken entfernt.
Die zu hörenden Musikstücke sind:
1. Gustav Mahler, Symphonie Nr. V, 4. Satz
2. Gustav Mahler, Symphonie Nr. VI, 1. Satz
3. Johann Sebastian Bach, »Dorische« Toccata und Fuge
4. Edvard Grieg, In der Halle des Bergkönigs (aus den Peer Gynt Suiten)
5. Gustav Mahler, Symphonie Nr. VI, 4. Satz (Finale)
Bedenkt man, dass sowohl die Originaldias als auch die Ton-Cassette satte 40 Jahre alt sind, ist die Qualität noch erstaunlich gut. Auch der auf Computer-Endlospapier handgeschriebene Mischplan ist noch erhalten. Ob die digitalen Geräte und Daten jemals so eine Lebensdauer erreichen werden, ist nicht sicher. Die digitalen Kameras der ersten Generationen nutzten Speicher, für die es heute kaum noch Laufwerke gibt (zB. Sony Mavica mit 3,5” Disketten). Die damalige Bildqualität war nach heutigen Maßstäben katastrophal. CD/DVD-Laufwerke, die zur Jahrtausendwende noch massenhaft zur Archivierung verwendet wurden, sind heute in keinem modernen Computer mehr verbaut. Dateiformate und Betriebssysteme ändern sich, viele der modernen Kameras nutzen proprietäre RAW-Formate, die möglicherweise in wenigen Jahren von dann weiterentwickelten Programmen nicht mehr lesbar sind. Wie überhaupt Digitalfotos ohne ein entsprechendes Lesegerät einfach nichts wert sind, während man ein analoges Dia, Negativ oder Papierbild »einfach so« betrachten kann.
Die Original-Materialien:
Die Vinyl-LP der VI. Symphonie von Gustav Mahler (Georg Solti u.d. Kölner Rundfunk-Symphonie-Orchester).
Der Mischplan wurde von Hand auf Computer-Endlospapier geschrieben. Die Tonband-Cassette enthält die Musik und die Steuerspur.
»Rennbahn Köln-Weidenpesch«
Ein Tag beim Galopprennen, 4. Mai 1986
Eine weitere analoge Überblendshow, die ich 1986 als Fotostudent für eine Semesterarbeit mit den Kommiliton*innen Petra Fadi, Frank Becher und Thomas Leitner erstellt habe.
Die Originaldias sind sehr gut erhalten. Digitalisierung erfolgte wieder mit Canon R6. Der damals verwendete Ektachrome-200-Film war teilweise sehr magenta-stichig, was in der Nachbearbeitung etwas ausgeglichen wurde. Der Originalton auf Spulentonband war nur sehr mangelhaft abzuspielen. Deshalb wurde der Ton komplett neu gemischt, die Musikstücke aus Digitalaufnahmen rekonstruiert und der Kommentar, der auch damals von mir gesprochen wurde, neu aufgenommen. Nur der Part mit dem O-Ton des Stadionsprechers wurde übernommen. Schnitt und Mischung des Videos erfolgten mit Kdenlive. Ein Mischplan war nicht mehr vorhanden und auch die Dias waren nicht korrekt durchnummeriert, so dass ich die Bildabfolge anhand des Tonbandes und Gedächtnis sortiert habe.
Die zu hörenden Musikstücke sind:
1. Eckard Koltermann & Kollegas: »Tango der Nacht« (vom Album »Umtriebe«)
2. Dave Holland, Jack DeJohnette & John Abercrombie: »Opening« (vom Album Gateway „)






