»Guck mal, wie schön: ein Schmetterling!« – Im Vorbeifliegen recht unscheinbar wirkt dieser Tagfalter. Dabei handelt es sich um ein echtes Juwel*: Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling* (nein, der Name ist keine Erfindung von Loriot) steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. In Niedersachsen etwa gibt es ihn nur noch im Solling, im Holzmindener Wesertal und – mitten in Hannover (Quellenangaben siehe unten)!

Mit der Mardalwiese hat der Hannoversche Stadtteil Kirchrode dem Bläuling einen letzten Rückzugsort bewahren können. Wer diese sehenswerte Kleinlandschaft in direkter Nachbarschaft zum Tiergarten in den Sommermonaten besucht, kann den Falter sogar vergleichsweise häufig beobachten und möchte dabei kaum glauben, dass es sich um eine derart seltene Art handelt. Das obige Foto ist mir spontan während eines Bild-Spazierganges aus der Hand geglückt – mal ohne die sonst bei Tierfotografie übliche stundenlange Wartezeit …

Symbiotische Lebensweise benötigt rare Landschaftsform 

Seine sehr spezielle Lebensweise ist es, die dem Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling zum Verhängnis werden wird, wenn seine Lebensräume weiter vermeintlichem »Fortschritt« zum Opfer fallen: Die Raupen der Falter fressen ausschließlich am Großen Wiesenknopf, einer heute ebenfalls bedrohten Pflanze mit besonderen Habitatansprüchen. Vor Beginn der kalten Jahreszeit lassen sich die Raupen auf den Boden fallen und werden wegen ihres spezifischen Duftes von einer bestimmten Ameisenart in deren Bauten verbracht, wo sie überwintern und sich von deren Larven ernähren. Nach Verpuppung und Schlupf als Schmetterling im nächsten Sommer verlassen sie die »WG« und suchen sich wieder ein Wiesenknopf-Vorkommen, der Kreis beginnt von Neuem.

Das Beispiel der Mardalwiese in Hannover zeigt, dass Freizeitinteressen von Großstadtbewohnern und Naturschutz durchaus vereinbar sind. So sorgt die extensive Beweidung durch Pferde einer benachbarten Stallgemeinschaft entscheidend für den Erhalt der Landschaftsform und ein mitgliederstarker Sportverein betreibt seine Rasensport- und Tennisanlagen auf angrenzendem Gelände. Bleibt zu hoffen, dass die offizielle Ausweisung als »Landschaftsschutzgebiet LSG H-S 00009« von den Hannoveranern zunehmend als Auszeichnung verstanden wird, die für die Lebensqualität einer Großstadt von unschätzbarem Wert ist.

 

*UPDATE 17.9.2015

Leider handelt es sich bei dem Foto nicht, wie ich zunächst fälschlich annahm, um einen Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, sondern um den vergleichsweise häufigen Braunen Waldvogel oder »Schornsteinfeger« (Aphantopus hyperantus).

(Dank an Herrn Georg Wilhelm für den Korrekturhinweis!)

 

 

Quellenangaben:

Dietmar Drangmeister: »An der Schwelle« – Ein Naturführer für die Region Hannover
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Dietmar Drangmeister: »An der Schwelle« – Ein Naturführer für die Region Hannover

 

Informationen zu Mardalwiese und Wiesenknopf-Ameisenbläuling habe ich dem sehr lesenswerten Buch »An der Schwelle – Ein Naturführer für die Region Hannover« von Dietmar Drangmeister entnommen (ibidem-Verlag 2015; ISBN 978-3-8382-0820-6; 19,90 Euro). 

 

 

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